William Edwards Deming

William Edwards Deming wurde am 14. Oktober 1900 in Sioux City im Bundesstaat Iowa (U.S.A.) als Sohn des William Albert und der Pluma Irene Edwards geboren.

Deming war vierzehn Jahre alt, als Amerika in den Ersten Weltkrieg hineingezogen wurde und einundvierzig Jahre als die Japaner Pearl Harbour bombardierten. Er war fünfzig Jahre alt, als er von General Douglas MacArthur als Statistiker und Qualitätsexperte nach Japan geholt wurde und schon weit im "Pensionsalter", als er durch die Fernsehsendung der NBC, "If Japan Can ... Why Can't We?", im wahrsten Sinne des Wortes "über Nacht" berühmt wurde.

Schon im frühen Kindesalter liess sich die Familie Deming in Powell, Wyoming, nieder, wo William Edwards zusammen mit dem Bruder Robert und der Schwester Elizabeth seine Kindheit verbrachten. Die Tätigkeit des Vaters als Versicherungsagent, Liegenschaftenmakler und Rechtsberater und die Nebenbeschäftigung der Mutter als Klavierlehrerin ermöglichte der Familie ein eher bescheidenes Auskommen. Auf jeden Fall wurden William Edwards und seine Geschwister schon früh angehalten, einen Beitrag zum Unterhalt der Familie zuleisten.

Im Jahre 1917 immatrikulierte sich Deming an der University of Wyoming at Laramie, wo er im Jahre 1921 eine ersten Abschluss in Mathematik erwarb.

Im Jahre 1923 vermählte sich Deming mit der Lehrerin Agnes Belle. Das Ehepaar adoptierte eine Tochter, Dorothy. Nach sieben Jahren Ehe verstarb Agnes und zwei Jahre später heiratete Deming Lola Shupe, eine Mathematikerin. Im Jahre 1934 wurden Tochter Diana und im Jahre 1942 Tochter Linda geboren.

Nach Studien an den Universitäten Wyoming und Colorado erwarb W. E. Deming im Jahre 1927 ein Doktorat in mathematischer Physik der Universität Yale.

Seine erste Anstellung als Physiker fand er im United States Department of Agriculture zu einer Zeit, als Sir Ronald Fisher am University College in London und Walter A. Shewhart an den Bell Laboratories grundlegende Erkenntnisse zur Qualitätsüberwachung industriell gefertigter Produkte (heute als SPC, Statistical Process Control, bezeichnet) erarbeiteten. Die enge persönliche Beziehung zu diesen beiden Wissenschaftern und ihren Forschungsgebieten war wegweisend für den Weg Demings vom Statistiker zur weltweit führenden Autorität im Bereich Qualitätsmanagement.

Im Jahre 1931 veröffentlichte Shewhart seine Erkenntnisse über den Einfluss der Streuung bei industriellen Prozessen in seinem Buch "The Economic Control of Manufactured Product". Diese Erkenntnisse wurden zur Grundlage der Deming-Lehre. Deming beurteilte ihre Bedeutung mit folgenden Worten: "Es werden noch weitere 50 Jahre vergehen, bis die volle Tragweite der Gedanken von Shewhart von der Fachwelt erkannt, verstanden und umgesetzt wird." Ein Blick in die heutige Praxis bestätigt diese Aussage.

Im Jahre 1946 eröffnete Deming in Washington D.C. eine private Beratungspraxis als Statistiker und begann eine Lehrtätigkeit an der Graduate School of Business Administration der New York University. Beide Verpflichtungen begleiteten ihn bis zu seinem Tode am 19. Dezember 1993.





Seine Vision



Deming stellt die Bedürfnisse des Menschen, der Hersteller und der Kunden, ins Zentrum seiner Lehre zur Gestaltung einer industrialisierten Wirtschaft. Damit wird er zum Gegner einer traditionell der Philosophie von F.W. Taylor verpflichteten Wirtschaft.

Frederick Winslow Taylor (1856 bis 1915)
Über viele Jahrzehnte beherrschten Amerika und Europa die Weltmärkte. Ihr Management ist geprägt von der wissenschaftlichen Betriebsführung eines F. W. Taylor und vom Bürokratiemodell des deutschen Soziologen Max Weber. Enthusiastisch beschreibt Taylor ein sowohl Menschen als auch Maschinen umfassendes Produktionssystem, das ebenso effizient funktionieren sollte wie eine gut konzipierte und geölte Maschine. Der vom Taylorismus angestrebte, rationelle Einsatz der ungelernten Arbeitskräfte führte zu enormen Produktivitätssteigerungen und in der Folge zu höheren Löhnen und verkürzten Arbeitszeiten und damit insgesamt zu einem höheren Lebensstandard.

Dr. W. Edwards Deming (1900 bis 1993)
Dr. Deming bezieht sich in seinen Aussagen häufig auf Stellen in der Heiligen Schrift. Im Buch der Prediger im Alten Testament sah er die Rechtfertigung seiner persönlichen Überzeugung. Insbesondere Prediger 3,22 stellt die Bedürfnisse des Menschen in den Mittelpunkt.

“Und ich (Salomo) sah, dass es nichts Besseres gibt als dass der Mensch sich freut an seinen Werken.”


Albert Einstein vertritt in einer Ansprache vom 15. Oktober 1936 vor den Studenten der State University of New York in Albany denselben Standpunkt.

„ Man sollte sich davor hüten, dem jungen Menschen Erfolg im üblichen Sinne erstrebenswert zu machen. Freude an der Arbeit, Freude über das Resultat und seinen Nutzen für den Mitmenschen muss das wichtigste Motiv unserer Anstrengungen in der Ausbildung und im späteren Berufsleben sein. Die wichtigste Aufgabe der Schule besteht darin, diese psychologischen Kräfte im jungen Menschen zu wecken und zu stärken. Allein auf dieser Grundlage kann der Wunsch nach dem grössten Besitz des Menschen wachsen, Erkenntnis und Kreativität“.





Seine Lehre



Das System vom Umfassenden Wissen
(The System of Profound Knowledge)



Im System vom Umfassenden Wissen unterscheidet Deming vier Elemente:
  • Verständnis für Systeme.
  • Kenntnis des Prinzips der Variation (Streuung)
  • Wissen (Knowledge).
  • Verständnis für Psychologie.

Verständnis für Systeme:

Ein System besteht aus verschiedenen Komponenten, die sich alle in den Dienst eines gemeinsamen Zieles stellen. Ohne Ziel kein System!

Kenntnis des Prinzips der Variation (Streuung):

Alles ist veränderlich. Dies ist nicht neu. Der Mensch hat es immer verstanden, damit zu leben. Seit vielen Jahrzehnten erforschen die Statistiker die Zusammenhänge. Neu ist hingegen, dass die Variation in der Form der Statistischen Prozessüberwachung (Statistical Process Control SPC) zu einem grundlegenden Bestandteil der Unternehmensführung gemacht wurde. Verbessern lässt sich nur, was man kennt und versteht.

Wissen (Knowledge):

„Management heisst voraussagen (Management is Prediction). Ohne Wissen lässt sich nichts voraussagen. Es gibt kein Wissen ohne Theorie. Ohne Theorie keine Fragen. Ohne Fragen gibt es kein Lernen.“

Verständnis für Psychologie:

Produkte und Dienstleistungen werden von Menschen geschaffen. Jeder Mensch ist ein Unikat. Es ist einfacher, die Menschen zu führen, als sie anzutreiben. Jeder Mensch verfügt über unabsehbare Möglichkeiten. Dieses unermessliche Potential an Kenntnissen, Kreativität und Tatkraft kann genutzt werden, wenn der Mensch gefördert statt frustriert wird.


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